Gauting soll keine Schlafstadt für Wohlhabende vor den Toren von München sein. Menschen mit kleinem Einkommen, wie zB. die Kindergärtnerin, die Pflegefachkraft, Kassierer im Supermarkt, Mitarbeiter unseres Bauhofs sollen in Gauting nicht nur arbeiten sondern auch leben können. Abstrakt sind sich alle einig darüber, dass „bezahlbares Wohnen“ wichtig ist. Aber immer wenn es konkret wird, gibt es oft sehr lautstarken Widerstand.
Wir haben die vier Bürgermeisterkandidaten Max Platzer (CSU), Dr.Matthias Ilg (Bündnis90/Die Grünen), Stefan Berchtold (MfG) und Harald Ruhbaum (MiFü82131) gefragt:
Werden Sie sich als Bürgermeister für die rasche Verabschiedung der Bebauungspläne „Patchway Anger“, „Mooritz“ und „Wohnen an der Würm“ einsetzen? Was kann der Bürgermeister darüber hinaus für „bezahlbares Wohnen“ in Gauting tun?

Wir dokumentieren die Antworten – ungekürzt, ohne Wertung, die Bürger sollen sich ein eigenes Bild machen können. Wesentliche Aussagen sind zur besseren Lesbarkeit hervorgehoben.
Sie werden feststellen, hier gibt es unterschiedliche Akzente und Prioritäten. Und unterschiedliche Sichtweisen, ob hier zügiger gehandelt werden kann oder soll. Lesen Sie selbst und machen sich Ihr Bild!
Harald Ruhbaum (MiFü 82131)
„Die Verabschiedung der Bebauungspläne kann nur im Rahmen einer verwaltungsprozessgemäßen Schnelligkeit erfolgen. Der Patchway Anger Nord ist hier ja bereits auf einem guten Weg (nicht alle Bebauungspläne dienen natürlich dem bezahlbaren Wohnraum). Das „Mooritz“ wird ausdrücklich begrüßt, da hier wirklich dringend benötigte Appartements zu bezahlbarem Wohnraum angeboten werden können. Nachdem auch die Regierung von Oberbayern dazu auffordert, den Bereich um den Bahnhof zu verdichten, ist dieses Projekt baulich und ökologisch ein Vorzeigeprojekt. Bei dem Projekt „Wohnen an der Würm“ sehe ich einen sehr umfangreichen und komplexen Bebauungsplan. Hier gehören natürlich alle Hausaufgaben, sorgfältig mit allen Abwägungen, berücksichtigt und rechtssicher gemacht. Der Bürgermeister und die Gemeinde sind, solange die Gemeinde nicht selbst in der Lage ist, Wohnraum zu bauen, ziemlich die Hände gebunden. Es gilt auch zu warnen, nur noch den Gedanken des „Wohnraumbaus“ zu verfolgen. Hier ergeben sich auch infrastrukturelle Probleme (Kinderbetreuung, Schulen, Straßen usw.) für die Kommune.“
Max Platzer (CSU)
„Die Projekte „Patchway Anger“, „Mooritz“ und „Wohnen an der Würm“ sind elementare Projekte für die Schaffung von Wohnraum – von sozialem Wohnungsbau, über bezahlbaren Wohnraum bis hin zu Wohnungen, die auf dem freien Markt angeboten werden. Eine schnelle Umsetzung dieser Pläne steht deshalb für mich außer Frage.
Offensichtlich ist, dass in Gauting im Vergleich zu umliegenden Gemeinden wie Gilching und Germering insgesamt zu wenig Mietwohnungen vorhanden sind, auf gerade die „Normalverdiener“ angewiesen sind. Wer einer Möglichkeit der Ansiedlung von Mangelberufen und dem Versuch einer sozialen Ausgewogenheit im Ort nicht im Wege stehen will, kann nicht nur in Sonntagsreden über die Notwendigkeit von bezahlbarem Wohnraum sprechen, sondern muss dies dann auch in konkreten Projekten – auch gegen Widerstände – durchsetzen.
Die Stärkung des „Verband Wohnen“ im Kreis Starnberg, die eventuelle Schaffung einer gemeindeeigenen Projektgesellschaft sowie die Einführung eines fairen Einheimischen-Modells können, neben der Anwendung der SoBon, weitere Instrumente für die Schaffung und den Erhalt von bezahlbarem Wohnraum in unserer Gemeinde darstellen.“
Stefan Berchtold (MfG)
„Mein Motto diesbezüglich lautet: Gauting fit machen für junge Menschen! Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, in denen junge Menschen gerne leben, mit oder ohne Familien. D.h. vorhandener und bezahlbarer Wohnraum in unterschiedlichen Zuschnitten, Raum für diverse und kreative gemeinschaftliche Wohnformen, eine attraktive Mobilität, die sich nicht nur auf Auto fokussiert. Wir brauchen insgesamt ein Gauting, dass sein Selbstverständnis nicht nur aus den Hausbesitzer:innen, sondern in gleichem Maße aus den Mieter:innen zieht. “Kleine” Einkommen sind die Regel, nicht die Ausnahme und insofern bezeichne ich sie als “durchschnittlich” oder “normal”!
Das Mooritz hat es in gewissen Umfang vorgemacht, wie es gehen könnte: Gebäudetyp e, Mobilitätskonzepte statt Tiefgaragen, Nachverdichtung auch in die Höhe Hand in Hand mit einer Verbesserung des umgebenden öffentlichen Raums und der Vernetzung mit den bestehenden Quartieren. Das verkürzt die Planungszeit und senkt die Baukosten, was zu günstigeren Mieten führt. Die oben genannten Bebauungspläne sollen schnellstmöglich realisiert werden Das gilt auch für „Wohnen an der Würm“, vorausgesetzt die Rahmenbedingungen ändern sich nicht. Das heißt, das Gesamtpaket darf sich nicht verschlechtern: Der Gewerbe-Ankermieter muss auch kommen, die Artenschutzfragen transparent gelöst werden, so dass wir dann auch wie versprochen eine gesamtökologische Verbesserung für die Fläche und die Würm erzielen..“
Dr. Matthias Ilg (Bündnis 90/Die Grünen)
„Ja, ich werde mich dafür einsetzen, dass die Bebauungspläne für Patchway Anger, Mooritz und Wohnen an der Würm zügig verabschiedet werden. Das steht außer Frage. Auch hier gilt: Wir müssen schneller in der Umsetzung werden.
Aber wir müssen auch besser darin werden, alle Möglichkeiten zu nutzen, die wir als Gemeinde haben, um Wohnungsbau und vor allem bezahlbaren Wohnungsbau voranzutreiben. Da nutzen wir derzeit nur einen Bruchteil der Optionen, die es gibt, teilweise ist das ideologisch bedingt. Auch hier gilt: Keine Denkverbote, z.B. gegenüber genossenschaftlichen Modellen, Bauen in Erbpacht, Bauen nicht für die Ewigkeit oder auch der Gemeinde als Bauherr. “
ZukunftGAUTING ist eine unabhängige Bürgerinitiative, die sich für ein „modernes und lebenswertes Gauting” einsetzt. Wir werden die Zusammenarbeit mit jedem der Kandidaten suchen, den die Gautinger Bürger zum neuen Bürgermeister wählen. Eine hohe Wahlbeteiligung ist die beste Legitimation für den neuen Bürgermeister. Wir wollen informieren und dem Bürger Informationen für seine Wahlentscheidung geben.
Sie finden die weiteren Antworten zu den Themen Gewerbe, Ortsbild und Energieversorgung hier:
- Gewerbe: www.zukunft-gauting.de/2026/01/gewerbe-entwickeln-der-schluessel-fuer-ein-modernes-und-lebenswertes-gauting/
- Ortsbild: www.zukunft-gauting.de/2026/01/ortsbild-bahnhofsmisere-und-leere-geschaefte/
- Energieversorgung: www.zukunft-gauting.de/2026/01/wie-sollen-die-gautinger-zukuenftig-heizen/
Transparenzhinweis: Der 1. Vorsitzende von ZukunftGAUTING Dr. Andreas Albath ist derzeit Gemeinderat für die „Unabhängigen Bürger Gauting“ (UBG). Nach der beschlossenen Auflösung der UBG kandidiert er als unabhängiger Kandidat auf der Liste der CSU für den Gemeinderat.