Die in der Bevölkerung umstrittenen Pläne für Windräder sind am Flughafen/Deutsche Flugsicherung gescheitert, die Pläne eines privaten Investors für ein Geothermie-Netz für Gauting wackeln, die von der Gemeinde erstellte „Kommunale Wärmeplanung“ macht vielen Bürgern mit älteren Häusern (65 % des Gautinger Gebäudebestandes) große Sorgen und die darin geplante Realisierung von 6 lokalen Wärmenetzen bis 2030 erscheint vielen Fachleuten unrealistisch.
Wir haben die vier Bürgermeisterkandidaten Max Platzer (CSU), Dr.Matthias Ilg (Bündnis90/Die Grünen), Stefan Berchtold (MfG) und Harald Ruhbaum (MiFü82131) gefragt:
Können Sie die Sorgen der Bürger verstehen, die nicht ohne weiteres auf Heizungen mit Strom (Wärmepumpen u.ä.) umsteigen können angesichts der damit verbundenen finanziellen Belastungen? Werden Sie sich für eine Überarbeitung der „Kommunalen Wärmeplanung 2025“ einsetzen, auch im Hinblick auf zukünftig veränderte Vorgaben von Bund und Land?

Wir dokumentieren die Antworten – ungekürzt, ohne Wertung, die Bürger sollen sich ein eigenes Bild machen können. Wesentliche Aussagen sind zur besseren Lesbarkeit hervorgehoben.
Sie werden feststellen, bei der Wärmeplanung und der Strategie der Gemeinde zur zukünftigen Wärmeversorgung gibt es erhebliche Unterschiede. Alle haben Verständnis für die Sorgen der Bürger, ziehen aber unterschiedliche Schlüsse daraus. Es gibt offensichtlich noch nicht einmal einen Konsens über die durch den Bund vorgegebene Bedeutung der Wärmeplanung. Lesen Sie selbst und machen sich Ihr Bild!
Dr. Matthias Ilg (Bündnis 90/Die Grünen)
„Ja, ich kann die Sorgen verstehen. Und nein, an einer nachhaltigen Modernisierung unserer Energie- und Wärmeversorgung führt aus diversen Gründen kein Weg vorbei. Diese Zielkonflikte zu lösen, sehe ich als klare Aufgabe eines Bürgermeisters.
Das ganze Thema Energie und Wärme werden wir an vielen Stellen auf kommunaler Ebene neu denken und anpassen müssen.Insofern ja, ich werde mich für eine Überarbeitung der „Kommunalen Wärmeplanung 2025“ einsetzen. So wie ich mich dafür einsetzen werde, in Sachen Geothermie und Windenergie neue Optionen zu prüfen.
Das ist nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes für Gauting wichtig, sondern dahinter verbergen sich auch Einnahmequellen und der Abbau von Abhängigkeiten. Diese Chancen will ich nutzen für Gauting. Mit meiner sehr unternehmerischen Denke, meiner Liebe zu technologischem Fortschritt und meinem Einsatz für einen aktiven Klimaschutz zugunsten der hier lebenden Menschen bringe ich sicher bessere Möglichkeiten mit, hier Dinge neu anzuschieben.“
Stefan Berchtold (MfG)
„Ja, die Sorgen kann ich verstehen. Ich würde mir allerdings viel größere Sorgen machen, die stetig steigenden Kosten für Gas und steigende anteilige Netzentgelte nicht bezahlen zu können. Ich möchte die Hausbesitzer ermutigen, den Umstieg zur Wärmepumpe je nach Möglichkeit auch sukzessive zu starten, also insbesonders bei noch funktionierender Gasheizung die Wärmdämmungsverbesserungsmöglichkeiten schrittweise anzugehen.
Und auch wenn Zukunft Gauting da immer wieder insistiert: Es gibt keinerlei Hinweise, dass a) Gas nicht immer teurer werden wird, b) alternative Brennstoffe, die durch Gasleitungen kommen könnten kommen werden (werden sie nicht) oder gar günstiger wären als eine Wärmepumpe. Fest steht dass ein Preisschere Strom (billiger) und Gas (teurer) besteht und dass dies nicht im kommunalen Einflussbereich liegt
· Auch die “geplanten Wärmenetze” sind eine Nebelkerze:
Die Wärmeplanung hat Gebiete identifiziert, die sich für Wärmenetze eignen könnten. d.h. Hausbesitzer:innen oder Bauleute können sich dort zusammenschießen und gemeinsam etwas entwickeln oder Investoren könnten dort etwas entwickeln. Das ist alles. Und ja, ich werde mich für gute, bezahlbare und klimafreundliche Wärmelösungen einsetzten, wo sich Möglichkeiten ergeben. Unsere Wärmeplanung ist nach faktischen und fachlichen Kriterien erstellt worden und bedarf keiner Überarbeitung.
Deshalb sollten wir weiterhin versuchen, Geothermie oder dezentrale Netze mit bodennaher Wärme (im ländlichen Bereich) zu realisieren, ich rate Hausbesitzer:innen jedoch davon ab, das jetzt abzuwarten. Realistisch könnte das klappen, wenn der Staat zusammen z.B. mit Bürgergenossenschaften in die Geothermie investiert und die kurzfristige Gewinnabsicht hintanstellt, d.h. die Amortisation über eine Zeitspanne von 30 — 50 Jahren erfolgen lässt. Ist aber so derzeit leider nicht in Aussicht, ich würde aber jede Gelegenheit ergreifen, die sich diesbezüglich bietet.“
Max Platzer (CSU)
„Ich kann die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger absolut nachvollziehen! In meinen Augen kann die vorliegende Wärmeplanung nicht mehr als eine Bestandsanalyse dafür sein, welche Wärmeversorgungsarten (z. B. Wärmenetze, Wärmepumpen, Biomasse etc.) wo im Gemeindegebiet perspektivisch funktionieren können. Der Wärmeplan hat also keinerlei unmittelbare Auswirkung auf die individuelle Wärmeversorgung von Hausbesitzern.
Gerade weil auf Bundesebene bereits klare Signale für eine notwendige Reform des „Heizungsgesetzes“ erkennbar sind, ist eine Überarbeitung und Fortschreibung der „Kommunalen Wärmeplanung 2025 unumgänglich.“
Harald Ruhbaum (MiFü 82131)
„Jeden einzelnen Bürger kann ich bestens verstehen, die momentane Situation ist für viele ein Desaster. Immer wieder werde ich auch mit der Frage von Bürgern konfrontiert: Was soll ich machen? Eine finanzielle Investition im fünfstelligen Bereich ist selbstverständlich nicht für alle möglich, und momentan weiß man nicht, für welche Art von Heizung man sich entscheidet und ob es die richtige ist. Ich betrachte die kommunale Wärmeplanung als Aufnahme des Ist-Standes 2025. An dem muss jetzt ständig weitergearbeitet, betrachtet und gut überlegt weitergearbeitet werden. Hier gilt es, die Augen offen zu halten, auch eventuell nach Quartierslösungen zu suchen. Daher wird die kommunale Wärmeplanung als eine wesentliche, dringende Aufgabe für mich angesehen.“
ZukunftGAUTING ist eine unabhängige Bürgerinitiative, die sich für ein „modernes und lebenswertes Gauting” einsetzt. Wir werden die Zusammenarbeit mit jedem der Kandidaten suchen, den die Gautinger Bürger zum neuen Bürgermeister wählen. Eine hohe Wahlbeteiligung ist die beste Legitimation für den neuen Bürgermeister. Wir wollen informieren und dem Bürger Informationen für seine Wahlentscheidung geben.
Sie finden die weiteren Antworten zu den Themen bezahlbares Wohnen, Ortsbild und Gewerbe hier:
- Bezahlbares Wohnen: www.zukunft-gauting.de/2026/01/bezahlbares-wohnen-gautings-soziale-frage/
- Ortsbild: www.zukunft-gauting.de/2026/01/ortsbild-bahnhofsmisere-und-leere-geschaefte/
- Gewerbe: www.zukunft-gauting.de/2026/01/gewerbe-entwickeln-der-schluessel-fuer-ein-modernes-und-lebenswertes-gauting/
Transparenzhinweis: Der 1. Vorsitzende von ZukunftGAUTING Dr. Andreas Albath ist derzeit Gemeinderat für die „Unabhängigen Bürger Gauting“ (UBG). Nach der beschlossenen Auflösung der UBG kandidiert er als unabhängiger Kandidat auf der Liste der CSU für den Gemeinderat.