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Geplante Erweiterung des Kraillinger KIM – Weckruf für Gauting!

Die größte Chance auf auskömmliche Gewerbesteuereinnahmen hat Gauting bekanntlich Ende der 90er Jahre verpasst. Als Krailling das KIM entwickelte, wollte Gauting nicht mitmachen, die Folgen sind weit unterdurchschnittliche Einnahmen aus der Gewerbesteuer und jedes Jahr ein zu knapper Haushalt. Kommunale Fehlentscheidungen mit Auswirkungen für Jahrzehnte …

Jetzt will Krailling das KIM erweitern und vorausschauend seine Gewerbesteuerbasis verbreitern – obwohl Krailling bezogen auf die deutlich niedrigere Einwohnerzahl (8000 in Krailling versus knapp 23.000 in Gauting) über etwa dreimal so hohe Gewerbesteuereinnahmen verfügt.

Karte Erweiterungspläne

Noch ist das nicht in „trockenen Tüchern“, aber der Kraillinger Gemeinderat hat gestern Abend ein Ratsbegehren für dieses Vorhaben beschlossen, um die Unterstützung der Kraillinger Bevölkerung zu gewinnen.

Welche Auswirkungen hätte eine Ausweitung des KIM  auf Gauting?

Wenn es mit zeitgemäßen Gewebeflächen in Gauting weiter so langsam voran geht, kann dies katastrophale Auswirkungen für Gauting haben. Wir erklären die Hintergründe.

Im Gautinger Rathaus weiß man schon seit langem, dass wir an das Thema Gewerbegebiete heranmüssen, um die strukturellen Finanzierungsprobleme von Gauting langfristig und dauerhaft zu lösen. Die 1.Bürgermeisterin Dr.Brigitte Kössinger und die klare Mehrheit im Gemeinderat hat sich dies auf die Fahne geschrieben, aber es geht nur quälend langsam voran. Woran liegt das ? Deutschland ist inzwischen so überbürokratisiert, es gibt so viele Behörden, Ämter und Instanzen, die bei großen Infrastrukturvorhaben mitzureden haben, dass sich immer wieder Sackgassen auftun und selbst bei günstigem Verlauf solche Vorhaben einen jahrelangen Vorlauf haben. Es sei denn man heißt Tesla….

Als die heutige Bürgermeisterin 2014 ins Amt gewählt wurde, wurden rasch drei Projekte als Ziel vorgenommen, zwei davon vor allem zur Absicherung der heutigen ortsansässigen Gewerbetriebe (und damit zur Erhaltung der ohnehin schon schmalen Gewebesteuerbasis) und eines zur Ansiedelung neuer Betriebe und zukünftig wachsender Einnahmen:

  1. Der Handwerkerhof am Penny-Kreisel ist das einzige Projekt, das inzwischen weitgehend realisiert wurde. Hier haben sich kleinere Gautinger Betriebe angesiedelt, die zuvor in meist innerörtlichen Lagen zunehmend Schwierigkeiten (Lärm und andere Emissionen) mit der Nachbarschaft bekamen und keine Entwicklungsmöglichkeiten für ihre Betriebe hatten. Diese Unternehmen konnten mit dem Umzug in den Handwerkerhof für Gauting erhalten werden und man kann ihnen die Daumen drücken, dass sich die Unternehmen gut entwickeln. Gauting wird an dem wirtschaftlichen Erfolg über die Steuereinnahmen profitieren.
  2. Um neue Unternehmen ansiedeln zu können und damit erst zu der notwendigen nachhaltigen Steigerung der Gewerbesteuereinnahmen zu kommen soll mit dem Galileo Park am Rande des Gemeindegebietes in der Nähe des Flughafens Oberpfaffenhofen ein attraktives Gewerbegebiet für Unternehmen mit hoher Wertschöpfung und Wachstumspotential realisiert werden (die Nachfrage ist hier gigantisch, die attraktivsten Bewerber können ausgewählt werden). Nach der Kommunalwahl 2020 wurde durch die Vermittlung des neu gewählten Landrates Stefan Frey eine Lösung im Konsens mit den Nachbargemeinden gefunden. Durch die Verschiebung des ursprünglich am Südrand des Gilchinger Gewerbegebietes geplanten Ecoparks direkt an den Flughafen Oberpfaffenhofen wurde hier alles „auf grün“ gestellt (Bericht). Seitdem quälen sich die oben beschriebenen Planungs- und Genehmigungsprozesse aber durch die Amtsstuben und die erforderlichen Abstimmungen mit dem Eigentümer des Flughafenareals. „Gut Ding will Weile haben“ bleibt nur als sarkastischer Kommentar.
  3. Beim dritten Vorhaben am Gautinger Feld (hinter dem Asklepios-Areal, linkerhand in Richtung Unterbrunn) sollen ortsnah Gewerbeflächen für etwas größere Gautinger Unternehmen geschaffen werden, die dringend auf eine klare Zukunftsperspektive angewiesen sind. Etliche Gautinger Unternehmen (z.B. Dietl Feinmechanik, heute Nähe Marienstift oder Stanz Schmidt in Stockdorf, es gibt aber deutlich mehr solcher Unternehmen) , sind in zum Teil noch viel stärkerem Maße als die Handwerksbetriebe davon betroffen sich an ihren heutigen Standorten nicht entwickeln zu können. Sie benötigen dringend eine klare und verlässliche Perspektive, ob und wann sie ortsnah einen anderen Standort erhalten können. Zum Glück für Gauting wollen diese Unternehmen möglichst in Gauting bleiben, um ihre Mitarbeiter auch an einem neuen Standort an sich binden zu können. Denn in Zeiten des Fachkräftemangels ist eine Betriebsverlagerung mit deutlich längeren Anfahrtswegen für die Mitarbeiter eine große Herausforderung. Auch beim Gautinger Feld haken allerdings derzeit die erforderlichen Planungsprozesse bei den zu beteiligenden Behörden des Freistaats.

Und dies ist im Zusammenhang mit einer möglichen Erweiterung des KIM für Gauting die entscheidende Herausforderung. Sollten sich in Ortsnähe zu Gauting, aber auf dem Gebiet einer Nachbargemeinde attraktive Gewerbeflächen in zumutbarer Entfernung für die Mitarbeiter finden, besteht die Gefahr, dass Gauting langjährige Unternehmen und gute Gewerbesteuerzahler verlieren könnte. Deshalb ist die mögliche Erweiterung des KIM ein Weckruf für Gauting ! Natürlich steht heute noch nicht fest, ob und wann sich die Erweiterung dort realisieren lässt. Aber dieses Argument sollte nicht dazu führen, die Gautinger Anstrengungen mit weniger Nachdruck zu verfolgen.

Der Gautinger Gemeinderat bereitet die Haushaltsplanung für 2024 und die Folgejahre schon heute Sorgen – an unpopulären Entscheidungen wird er kaum herumkommen und wichtige Zukunftsinvestitionen sind völlig ungesichert.

Wenn Gauting mittelfristig eine finanziell sichere Perspektive gewinnen will, um seine Pflichtaufgaben (z.B. Kindergärten, Feuerwehr, Straßenunterhalt) aber auch liebgewordene Einrichtungen wie Freibad, Bosco oder Gemeindebibliothek usw. erhalten zu können, müssen die beiden fehlenden Gewerbegebiete zeitnah planungsrechtlich gesichert und dann natürlich auch realisiert werden. Und ein prosperierendes KIM ist dann kein Problem aus Gautinger Sicht, sondern gut für einen attraktiven Wirtschaftsstandort Landkreis Starnberg!

Siehe zu den Hintergründen der KIM-Erweiterung den Bericht des Starnberger Merkur vom 8.6.2023.

Windkraft in Gauting – jetzt wird es ernst!

Windkraftanlagen

Schwerpunktthema im Gemeinderat letzten Donnerstag – Windkraftanlagen in Gauting. Die Bundesregierung hat durch sechs Gesetze, die seit November 2022 in Kraft getreten sind, es erleichtert Windkraftanlagen zu bauen und zugleich den Ländern und Kommunen massiven Druck gemacht zügig Windkraftanlagen zu genehmigen. Windkraftanlagen gelten ab nun im „überragenden öffentlichen Interesse“, was es in der Abwägung mit Belangen des Natur- und Artenschutzes erleichtern soll, Windkraftanlagen in der freien Natur zu realisieren. Und die Länder müssen rasch verbindlich Flächen für Windkraftanlagen ausweisen – in Bayern 1,1 % der Fläche bis 2027 und 1,8 % bis 2032. Dies gilt heruntergebrochen dann auch für alle Regionen und die Konsequenzen bei Nichteinhaltung sind scharf. Bis 2027/2032 können die Kommunen im Rahmen ihrer kommunalen Planungshoheit geeignete Flächen definieren. Schaffen Sie das aber nicht, greift eine Privilegierung für Windkraftanlagen in Außengebieten: Die Kommunen verlieren ihre Planungshoheit und Investoren können prinzipiell überall in geeigneten Außenflächen Windkraftanlagen realisieren und die Gemeinden verlieren ihre Einwirkungsmöglichkeiten.

Grafik zu Konzentrationsflächen
Drei wesentliche Konzentrationsflächen laut Teilflächennutzungsplan 2012 auf Gautinger Gebiet

Wie ist die Situation im Landkreis Starnberg ?

Vor diesem Hintergrund war der Landkreis Starnberg weitsichtig – bereits 2012 wurden sog. „Konzentrationsflächen“ ausgewiesen, die als besonders geeignet angesehen werden für Windkraftanlagen. Drei wesentliche Flächen liegen auf Gautinger Gemeindegebiet – östlich von Buchendorf, in einem Streifen bei Königswiesen in Richtung Unterbrunn und zwischen Oberbrunn und Hadorf (siehe Grafik). Und damit haben wir gewissermaßen den ersten Teil der „Hausaufgaben“ erledigt und können in konkrete Planungsschritte gehen. Die Gemeinde lässt sich dabei durch das erfahrene Ingenieurbüro Sing aus Landsberg begleiten, das durch Referenzprojekte u.a. in Berg und Fuchstal seine besondere Kompetenz nachgewiesen hat, gerade auch im Hinblick auf die wirtschaftliche Beteiligung interessierter Bürger. Herr Sing erläuterte, dass nicht alle drei Teilflächen gleichzeitig realisiert werden können. Aber sinnvoll könne man auch mit einzelnen Gebieten beginnen. Denn natürlich bleiben umfangreiche Aspekte abzuklären, u.a. bei den Auflagen zur zivilen und militärischen Luftfahrt, Abständen zu Messstationen, Berücksichtigung von Schutzgebieten (u.a. Natur- und Wasserschutz, Vogelschutz usw.), Bodendenkmälern, Strom-Freileitungen und Richtfunk und natürlich die Erschließung möglicher Standorte. Wichtig war seine Aussage, dass es nach aktuellem Stand keine KO-Kriterien gibt, die eine Realisierung ausschließen würden.

Aufbau Windkraftanlage
Der Aufbau einer Windanlage setzt sorgfältige Planung voraus schon bei der Erschließung

Wichtige nächste Schritte werden nun die Übernahme der Konzentrationsflächen in der übergeordneten Regionalplan, der Nachweis der Wirtschaftlichkeit, die Verabschiedung von Bebauungsplänen und natürlich die Abklärung mit den Eigentümern sein, sofern die Standorte nicht im Gemeindeeigentum stehen (überwiegend Bayerischer Staatsforst, der der Nutzung aber offen gegenübersteht). Eine Errichtung und Inbetriebnahme erster Anlagen erscheint dann 2026 als möglich.

Das Konzept der Bürgerbeteiligung

Zentrale Idee bei der Umsetzung ist das Konzept eines „Bürgerwindprojektes“ nach dem Vorbild u.a. von Berg und Fuchstal. Interessierte Gautinger Bürger sollen die Möglichkeit erhalten sich bereits mit Einlagen ab 5.000 € wirtschaftlich an der Projektgesellschaft zu beteiligen und gemeinsam 80 % der Anteile zu halten, 20 % verbleiben beim Initiator. Selbstverständlich handele es sich um eine unternehmerische Beteiligung mit Chancen und Risiken, die aber aufgrund der für 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung und einer konservativen Planung sehr gut zu kalkulieren sei. Das Projekt in Berg habe beispielsweise bislang die Erwartungen deutlich übertroffen. Herr Sing betonte, dass eine ausführliche Information der Bürger und ein von der Finanzaufsicht geprüfter Prospekt selbstverständlich erfolgen würde. Wichtig sei die Idee, dass „das Geld im Ort bleibe“, die Gemeinde durch Gewerbesteuereinnahmen von der Projektgesellschaft profitiere und die beteiligten Bürger durch die  Erträge eine gute Verzinsung ihres eingesetzten Kapitals erhalten.

Die Haltung des Gemeinderates

Der Gautinger Gemeinderat hat noch keine verbindlichen Beschlüsse gefasst. Im Vordergrund stand bislang die Information und die Erarbeitung der Grundlagen für ein solches Projekt unter den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Aber wenig überraschend ist, dass die Grundhaltung der Diskussion auf die Realisierung der möglichen Windkraftanlagen ausgerichtet ist. Solange die Gemeinde hier noch Gestaltungsmöglichkeiten hat und wichtige Aspekte beeinflussen kann, wie zB. die Lage der Anlagen oder die Bürgerbeteiligung ist das aus Sicht von Bürgermeisterin und Gemeinderat natürlich besser als wenn später die Gemeinde das nicht mehr richtig kontrollieren kann und der Zufälligkeit von Investoreninteressen ausgesetzt ist.

Und wie sehen die Gautinger Bürger die Windkraft-Pläne?

Das ist aktuell noch schwer festzustellen. Bei den Plänen für die Geothermie ist große Begeisterung festzustellen – die Idee einer verlässlichen, preisgünstigen, stromunabhängigen und klimaneutralen Wärmeversorgung mit nur geringen Belastungen für die Natur überzeugt die Gautinger und viele hoffen perspektivisch sich selbst daran anschließen zu können, auch um sich eine teure und stromabhängige Wärmepumpe zu ersparen.

Bei der Windkraft scheint das nicht so eindeutig zu sein. Dabei geht es nicht nur um organisierte Gegner, die aus dem „Querdenker-Milieu“ stammen und erst gegen modernen Mobilfunk (5 G) kämpfen, dann Corona leugnen und nun die Windkraft verteufeln.

Aber es scheint auch ganz normaler Bürger aus der Mitte der Gesellschaft zu geben, die die Gefahren des Klimawandels und drängenden Handlungsbedarf anerkennen, sich mit der Vorstellung aber schwer tun, dass in wenigen Jahren Hunderte von Windrädern in unserer oberbayerischen Landschaft entstehen werden. Es wird in der Tat nicht möglich sein die Windkraftanlagen zu verstecken. Und die bei einigen zu beobachtende Skepsis gegenüber als erheblich empfundenen Eingriffen („wenn wir schon durch Hunderte von Windrädern unsere schöne oberbayerische Landschaft verändern, sollten wir sicher sein, dass es das auch Wert ist“) scheint auch durch ein zunehmendes Unbehagen über die grundsätzliche Richtung der europäischen und deutschen Klimapolitik verstärkt zu werden. Sinngemäß lassen sich diese Sorgen etwa so zusammenfassen

Der gesamte Fokus der europäischen Politik ist darauf ausgerichtet, die heutigen grundlastfähigen Energieträger Öl, Gas und Kohle (CO2 Belastung) so schnell wie möglich abzuschaffen und im deutschen Sonderweg dann auch noch als erstes die Kernenergie (obwohl CO2 neutral), während sechs unserer Nachbarländer zur Bewältigung des Klimawandels sogar neue AKW derzeit bauen oder planen.

Der gesamte Strombedarf soll zukünftig durch erneuerbare Energien (im wesentlichen Solar und Windkraft) gedeckt werden, die aber nicht grundlastfähig sind, weil sie volatil schwanken abhängig vom Sonnenschein und Wind (Problem der „Dunkelflaute“). Und unser Strombedarf wird gewaltig steigen durch den Fokus auf E-Mobilität, Heizungen (Wärmepumpen!) und grünen Wasserstoff, den wir vor allem brauchen um zwei der drei wichtigsten Branchen mit Millionen von Arbeitsplätzen in Deutschland (Automobil/Stahl und Chemie) halbwegs wettbewerbsfähig zu halten (Voraussetzung: international wettbewerbsfähige Energiekosten).“

Viele Menschen reden darüber nicht gerne öffentlich, aber sie sorgen sich, wie es gelingt die Transformation in eine klimaneutrale Volkswirtschaft zu gestalten, unsere Arbeitsplätze zu erhalten und wirtschaftlich die Bürger nicht zu überfordern.

Anders aber ein prominenter Gautinger Mitbürger, der Ex-Chef des renommierten IFO-Institut, Professor Hans-Werner Sinn. Er äußert sich in gewohnt pointierter Form und stellt an den Anfang, dass er Greta Thunberg zustimmt, wenn sie sagt „Das Klimaproblem ist eine Geißel der Menschheit“. In seiner traditionellen Weihnachtsvorlesung hat er sich im Dezember 22 mit der Energiepolitik auseinandergesetzt. Auf Youtube haben schon weit mehr als 1 Mio. Menschen seine Vorlesung angeschaut (ab 57:24 zum Thema Energiewende). Man muss natürlich nicht mit allem einverstanden sein, aber anhörenswert sind seine Argumente sicherlich.

Professor Sinn aus Gauting
Professor Sinn aus Gauting hält das Klimaproblem wie Greta Thunberg für eine „Geißel der Menschheit“, kritisiert aber die Energiepolitik als ungeeignet

Die Position von ZukunftGAUTING

Wir sind eine überparteiliche Bürgerinitiative, deren Ziel es ist, Gauting weiterzuentwickeln und entsprechende Initiativen zu unterstützen („Für ein modernes und lebenswertes Gauting!). Aufgrund unseres regionalen Fokus nehmen wir keine Position zu konkreten Entscheidungen der nationalen oder gar europäischen Politik ein. Hierzu haben unsere Mitglieder sicherlich persönliche Ansichten, die aber auch unterschiedlich sein können.

Wenn der Gautinger Gemeinderat sich unter den neuen Rahmenbedingungen dazu entschließen sollte, konkrete Windkraftanlagen zu ermöglichen, halten wir das für nachvollziehbar. Wenn einem in gewisser Weise die Pistole auf die Brust gesetzt wird mit der Alternative „Entweder jetzt planen und gestalten oder nach 2027 es dem Spielball des Zufalls und Investoren zu überlassen“ dann ist die Entscheidung nicht so furchtbar schwer.

Aber wie schätzt man die Stimmung in der Bevölkerung ein, wie geht man auf die Bauchschmerzen von Bürgern ein, ob die europäische und nationale Klimapolitik sich auf dem richtigen Weg befindet ? Und ob es deshalb richtig ist, den Bau von Windkraftanlagen so wie geplant zu forcieren ? Soll man auf solche Sorgen und Bedenken eingehen und die Menschen überzeugen, warum ihre Bedenken nicht zutreffen ?  Oder das ganz pragmatisch durchziehen und auf den ohnehin unumkehrbaren Weg bringen?  Der Gautinger Gemeinderat ist der falsche Adressat, um bundes- oder europapolitische Entscheidungen in Frage zu stellen. Ihm bleibt nichts anders übrig als damit zu leben. Aber wer vertritt die Entscheidungen der Berliner und Brüsseler Politik hier vor Ort, wenn es konkret wird und geht auf Sorgen und Bedenken von Bürgern ein ?

Ihr Feedback ist uns wichtig!

Wir freuen uns immer über ihre Rückmeldungen, in diesem Fall aber ganz besonders. Was halten Sie von den Plänen, welche zusätzlichen Informationen wünschen Sie sich ? Bitte geben Sie uns ihr Feedback – persönlich, per E-Mail oder über unseren Social Media Kanal auf Facebook.

Wie steht es um die Geothermie-Pläne für Gauting?

Herr Schulte-Middelich„Geothermie statt Gas? löste große Resonanz bei den Gautingern im Rahmen unserer Informationsveranstaltung Mitte Dezember 2022 aus. Viele Bürger sind sehr daran interessiert sich an die Fernwärme aus Geothermie anschließen zu können, insbesondere wenn ohnehin eine Erneuerung der alten Gas- oder Ölheizung ansteht. Umso mehr Unruhe lösten Nachrichten aus, dass der vorgesehene Bohrplatz auf einem Grundstück der Gemeinde Gauting in der Nähe des Flughafens nicht mehr zur Verfügung steht wegen wasserschutzrechtlicher Probleme. Wir haben nachgefragt bei Dr. Bernd Schulte-Middelich, Gesellschafter der  Silenos Energy Geothermie Gauting GmbH & Co. KG.

Herr Schulte-Middelich, was bedeuten die Nachrichten für Ihr Geothermie-Projekt? Ist es damit gefährdet?

Schulte-Middelich: Nein, da kann ich sie beruhigen. Es ist tatsächlich richtig, dass der vorgesehen Bohrplatz nicht mehr in Frage kommt, nachdem die Stadtwerke Germering beabsichtigen, ihr Wasserschutzgebiet dorthin auszudehnen. Aber im Rahmen des Genehmigungsprozesses haben wir ohnehin alternative Standorte in der Prüfung gehabt, auf die wir uns jetzt konzentrieren.

Können dort dann nicht ähnliche Probleme entstehen?

Schulte-Middelich: Generell muss man sagen, dass heute in Deutschland derartige Planungsverfahren aufgrund der Vielzahl beteiligter Behörden und zu berücksichtigender Interessen außerordentlich komplex und langwierig sind. Und das wird leider auch nicht deswegen einfacher, weil wir mit der Geothermie einen konkreten und wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten. Aber wir haben jetzt drei geeignete Grundstücke in der Prüfung, bei denen feststeht, dass sie nicht in eines der Wasserschutzgebiete fallen. Und das erleichtert die Genehmigungsverfahren schon sehr.

Wo liegen hier jetzt die größten Hürden?

Schulte-Middelich: Die drei Grundstücke gehören nicht der Gemeinde Gauting, sondern privaten Eigentümern. Wir sind aber mit allen in konstruktiven Gesprächen und zuversichtlich, hier eine Erbpacht-Vereinbarung abschließen zu können, die uns eine gesicherte Basis für die Geothermie-Bohrung geben wird. Bei der Genehmigung sind wir hinsichtlich der Untertagethemen, also z.B. der Bohrung,  mit dem Bergamt und für die Aspekte der oberirdischen Realisierung des Projekts mit dem Landratsamt als Genehmigungsbehörden im engen Dialog. Ich sehe aus heutiger Sicht keinen Punkt, der bei den Alternativgrundstücken eine Genehmigung ausschließen würde. Es dauert halt alles seine Zeit.

Wirtschaftsminister Habeck will jetzt bereits ab 2024 neue Gasheizungen verbieten. Viele Gautinger mit alten Heizungen sehen deshalb erwartungsvoll auf die Geothermie als potentielle Alternative. Was bedeutet dies für den Zeitplan?

Schulte-Middelich: Generell muss man leider sagen, dass hier die große Politik wieder einmal glaubt, durch Verbote die Energiewende herbeizwingen zu können, anstatt durch Vereinfachung der Genehmigungsverfahren realistische Projekte wie die Geothermie zu fördern. Aber zu unserem Thema: Wir haben den Beginn der Heizperiode 2025/26 bisher als Termin für die Belieferung vorgesehen. Daran halten wir auch fest. Natürlich ist die Verzögerung ärgerlich, aber wir hatten natürlich auch einen zeitlichen Puffer eingeplant.

Also können die Bürger weiter hoffen, dass dieser Termin realistisch ist?

Schulte-Middelich: Wir als Silenos Energy sind für die Gewinnung des heißen Thermalwassers verantwortlich und übergeben dann an die Partner, die die Erschließung in den Gemeinden bis hin zu den Haushalten vornehmen. Die Gemeinde Gauting will das mit einer Tochtergesellschaft der Stadtwerke Schwäbisch Hall, der KWA Contracting AG, realisieren. Der Ausbau des Fernwärmenetzes bis hin zu einzelnen Haushalten oder Unternehmen wird sicher in Schritten erfolgen. Diese Detailplanung aber ist Sache unseres Partners in der Gemeinde Gauting, mit dem wir bereits über einen Wärmeliefervertrag verhandeln.  Je größer das Interesse aus Unternehmen und Bevölkerung ist, umso rascher wird der Ausbau natürlich gelingen.

Herzlichen Dank! Dann bleibt uns nur, Ihnen gutes Gelingen und zügige Unterstützung durch die beteiligten Behörden zu wünschen!

Wie schätzt ZukunftGAUTING die Situation nun ein?

Können interessierte Bürger heute schon etwas konkretes tun? Nach unserer Beurteilung ist Realismus gefordert. Insbesondere all diejenigen, die sehr kurzfristig in den nächsten 5 Jahren zwingend ihre alte Heizung erneuern müssen, sollten sich nicht auf die Option Geothermie verlassen sondern auch andere Optionen im Blick behalten. So optimistisch die Aussagen klingen, gebohrt und erschlossen ist ja bis heute noch nichts und die von der Bundesregierung versprochene Planungsbeschleunigung ist in keiner Weise Realität. Hinzu kommt, dass der Ausbau eines Fernwärmenetzes schrittweise erfolgen wird und auch seine Zeit benötigen wird.

Man kann nur hoffen, dass Bergamt und Landratsamt Starnberg hier jetzt wirklich zügig arbeiten auch wenn die bürokratischen und komplizierten Vorschriften unverändert in Kraft sind. Denn für das Erreichen der Energiewende-Ziele wird hier ein wirklich wertvoller Beitrag geleistet.

Bei der Gemeinde Gauting werden Interessenbekundungen von interessierten Unternehmen und Bürgern natürlich schon heute registriert, bislang sind das etwa 100. Und dies soll in den nächsten Tagen über die Webseite der Gemeinde Gauting noch einfacher möglich werden. Das ist durchaus sinnvoll, damit die KWA erkennt wie stark das Interesse ist und wo die interessierten Bürger angesiedelt sind. Dabei ist kein Geheimnis, dass der Gautinger Westen sicherlich eher erschlossen wird als beispielsweise der Buchendorfer Berg. Wir von ZukunftGAUTING bleiben am Ball und informieren bei neuen Entwicklungen!

Interessant auch der Artikel zum Thema im Starnberger Merkur vom 28.2.2023.

 

Gauting hat einen Haushalt. Und nun?

Am Dienstag Abend konnte der Gautinger Gemeinderat den Haushalt für 2023 beschließen. Alle Fraktionen (mit Ausnahme der SPD) waren erleichtert und voll des Lobes für die Verwaltung und den Kämmerer Stefan Hagl. Sah es bei der Vorstellung des Entwurfes Anfang Dezember noch zappenduster aus, war es am Ende leicht den Verwaltungshaushalt mit 50,7 Mio € und den Vermögenshaushalt mit 15,3 Mio. € zu beschließen. Wie konnte das gelingen? Die Verwaltung hat die Wochen über den Jahreswechsel genutzt sehr rasch ungenutzte Haushaltsreste aus 2022 zu identifizieren, um damit die Ansätze für 2023 reduzieren zu können. Und ein wenig Fortune braucht man auch und so war es hochwillkommen, dass bei der „Spitzenabrechnung“ des gemeindlichen Anteils an der Einkommenssteuer für Gauting ein Plus von knapp 0,5 Mio. € heraussprang. Ob die mahnenden Worte von Kämmerer Hagl in Erinnerung bleiben, dass das keinesfalls immer so ist und es natürlich auch mal in die andere Richtung gehen kann? Man wird sehen. So wird es 2023 möglich sein knapp 0,5 Mio. € in die Rücklagen zuzuführen und im Vermögenshaushalt die geplanten Investitionen in 2023 ohne Kreditaufnahme durch Auflösung von Rücklagen zu finanzieren. Nachdenklich kommentierte Gemeinderat Tobias MacFadden (MfG/Piraten), dass der Gemeinderat sich hauptsächlich mit Kleinstbeträgen beschäftigt habe, wogegen Markus Deschler (FDP) sich darüber freute, dass man sich jedes Detail angeschaut und auch um Posten mit wenigen Hundert Euro gekümmert habe (“Kleinvieh macht auch Mist“). Nun denn. Wobei Markus Deschler den Finger zugleich deutlich in die Wunde legte und darauf hinwies, dass ohne eine signifikante Mehrung der Einnahmen – im Speziellen der Gautinger Gewerbesteuereinnahmen – der finanzielle „Turnaround“ nicht zu schaffen sein wird.

Kommt denn nun das Feuerwehrhaus? Kann Gauting investieren?

Das ist die Frage nach den Finanzplanjahren 2024-26.  Die 1.Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger wollte die Eckwerte am liebsten einfach beschließen lassen und sie in der öffentlichen Sitzung gar nicht mehr präsentieren. Erst auf Nachfrage von Dr. Andreas Albath (UBG/1.Vorsitzender ZukunftGAUTING) trug der Kämmerer Stefan Hagl dann den ernüchternden Ausblick vor. Um die dringend benötigten, teilweise seit Jahren überfälligen Investitionen nicht nur in das Feuerwehrhaus finanzieren zu können benötigt die Gemeinde eine Finanzierung in Höhe von insgesamt ca. 47 Mio. €. Und das bei einem Verwaltungshaushalt, der jedes Jahr ein Defizit von 3 Mio. € aufweisen soll? „Kein Cent Kreditaufnahme wird uns die Rechtsaufsicht genehmigen“ kommentierte Kämmerer Hagl trocken. Jedenfalls solange nicht der Verwaltungshaushalt jedes Jahr mit einem deutlichen Plus abschneidet, der die steigenden Tilgungs- und Zinsausgaben abdeckt.

Bürgermeisterin Brigitte Kössinger argumentierte, dass bei den Finanzplanjahren noch zu große Unsicherheit bestehe, um darüber überhaupt sinnvoll diskutieren zu können. Da hat sie aus einer Reihe von Gründen sicher recht und es werden nicht nur mangels Geld sondern schon wegen der begrenzten personellen Kapazitäten in der Verwaltung gar nicht alle Vorhaben umgesetzt werden können. Aber mit dieser Einstellung wird Gauting nicht sehr weit kommen. Spätestens wenn die Gemeinde die ersten neuen Kredite aufnehmen möchte, verlangt die Rechtsaufsicht einen Nachweis, dass nicht nur das laufende Haushaltsjahr gesichert ist sondern auch In der Zukunft. Und das muß nachgewiesen werden durch eine belastbare Mehrjahresplanung, das durchlavieren von Jahr zu Jahr funktioniert dann nicht mehr. Diese Planung muß dann deutlich machen, dass die Gemeinde nachhaltig in der Lage ist, die steigenden Ausgaben für Kreditzinsen und -tilgung zu bezahlen. Und das wird nicht einfach. Selbst wenn die Kreditaufnahme zur Investitionsfinanzierung von den jetzt budgetierten 47 Mio. € sich auf 10-20 Mio. € reduzieren ließe, muss erstmal der Verwaltungshaushalt in Ordnung gebracht werden.

Ob das Feuerwehrhaus und die anderen Investitionen nun angegangen werden können wie man beim Blick in die mit 21:6 Stimmen beschlossenen Finanzplanung annehmen könnte? Ganz sicher nicht, solange bei den laufenden Einnahmen und Ausgaben nicht grundlegend angesetzt wird. Der „Kleinvieh-Ansatz“ kostet die Gemeinderäte zwar viel Zeit, wird aber nicht zum Ziel führen. Gemeinderat Dr.Matthias Ilg von den Grünen brachte es auf den Punkt: „Gauting befindet sich auf einer Bootspartie. Aber unser Boot ist nicht neu, leider auch nicht so richtig stabil. Dazu noch wenig Treibstoff. Und an einigen Stellen leck geschlagen“. Schöne Aussichten.

Wie kann man denn den Verwaltungshaushalt in Ordnung bringen?

Die Antwort darauf ist gar nicht leicht zu geben. Wer denkt, dass es bei 50 Mio € Gesamthaushalt doch nicht so schwer sein kann 1 oder 2 Mio. € einzusparen, übersieht, dass der größte Teil des Gemeindehaushaltes durch Positionen belegt ist, bei denen die Gemeinde gar keinen Entscheidungsspielraum hat. Der größte Posten ist die Kreisumlage (15,6 Mio. €). Die deutlich steigenden Personalkosten, die Ausgaben für Pflichtaufgaben wie Unterhalt der Gemeindeeinrichtungen (Liegenschaften, Straßen usw.), Kindergärten, Schulen, Feuerwehr usw. binden den größten Teil des Budgets.

Kann die Gemeinde denn das Problem durch höhere Einnahmen lösen?

Hier kann sie da ansetzen, wo sie durch die Festlegung von Hebesätzen Einfluss auf die Steuereinnahmen hat (Grundsteuer, Gewerbesteuer usw.). Eine wachsende Bevölkerung bedeutet auch einen höheren Anteil an der allerdings gedeckelten Einkommenssteuer. Zweitwohnungssteuer oder Hundesteuer sind auch kleinere Möglichkeiten.

Die langfristige Lösung für Gauting ist die strukturelle Erhöhung der Gewebesteuer (zur Einordnung die Zahlen für 2022: Gauting 7  Mio. € Gewerbesteuer. Das nur geringfügig größere Starnberg hatte 23,2 Mio €!). Aber die für Gauting so dringend notwendige Entwicklung der beiden Gewerbegebiete Galileo Park und Gautinger Feld kommt nur schleppend voran. Und die höheren Gewebesteuereinnahmen werden erst langfristig ihre Wirkung zeigen, aber für die Lösung der anstehenden Aufgabe der nächsten 5 Jahre nicht helfen!

Also muss die Gemeinde auch bei den sog. freiwilligen Ausgaben ansetzen

Und da will niemand wirklich richtig ran. Denn hier versammelt sich alles, was den Gautingern „lieb und teuer“ ist. Natürlich immer wieder andere Bevölkerungsgruppen. Die aber natürlich lauthals protestieren, wenn jemand an ihr „Steckenpferd“ Hand anlegen will (selbst wenn er es eigentlich auch gar nicht möchte).

Jedes Jahr finanziert die Gemeinde mit jeweils niedrigen bis mittleren sechsstelligen Beträgen Einrichtungen wie:

  • das Freibad
  • das Bosco und das Theaterforum
  • die Gemeindebibliothek
  • die Musikschule
  • das Jugendzentrum
  • Heimatpflege und allgemeine Kulturförderung
  • Zuschüsse an Vereine und Initiativen

Auch wir von ZukunftGAUTING („Für ein modernes und lebenswertes Gauting!“) wünschen uns keinen Kahlschlag, sondern würden uns freuen, wenn Gauting – so wie viele unserer Nachbargemeinden – dies alles fortsetzen könnte und noch manches andere, was wünschenswert ist. Aber man darf halt nicht nur hohe Ansprüche haben, sondern muß es sich auch leisten können!

Im April beginnen die nächsten Haushaltsberatungen. Vielleicht.

Immerhin hatte Kämmerer Hagl am Dienstag noch eine etwas Hoffnung gebende Nachricht.

Bei der Ermittlung des jährlichen Defizits von >3 Mio € für die Zeit ab 2024 hat er die nach Vorstellung des Kreises ständig weiter steigende Kreisumlage zu Grunde gelegt. Diese dürfe aber aus rechtlichen Gründen gar nicht so stark ansteigen, da der Kreis auch auf die dauernde Leistungsfähigkeit der Gemeinden Rücksicht nehmen müsse. Gehe man von einer realistisch zumutbaren Kreisumlage aus, würde sich das Defizit im Gautinger Verwaltungshaushalt in den Jahren 2024-26  auf jeweils mittlere sechsstellige Beträge reduzieren. Also muß Gauting hoffen, dass Landrat und Kreisräte mit Augenmaß vorgehen. Bürgermeisterin Brigitte Kössinger kündigte an, dass der Hauptausschuß ab April bereits beginnen werde, die nächsten Jahre finanziell besser zu planen und die Hausaufgaben anzugehen. In Ihren Haushaltsreden haben Vertreter praktisch aller Fraktionen (mit Ausnahme der SPD, die nur Mehrausgaben forderte) sich zu einer notwendigen Konsolidierung bekannt. Ob den Worten Taten folgen werden?

Der Landrat und das liebe Geld

Ein ungewöhnlicher Besuch letzten Dienstag im Gautinger Finanzausschuss– Landrat Stefan Frey war gekommen, um den Gautinger Gemeinderäten höchstpersönlich die Finanzplanung des Landkreises Starnberg für 2023 und die Folgejahre zu erläutern. Ursprünglich hatte der Gautinger Gemeinderat auf Antrag der CSU den Kreiskämmerer eingeladen als sich im letzten Herbst andeutete, dass der Landkreis die sog. „Kreisumlage“ von 49 in Richtung 57 % erhöhen wollte – was technisch klingt hätte nicht nur für Gauting und seine Bürger dramatische Folgen gehabt. So machte Stefan Frey das Thema zur Chefsache – der für seine offene Kommunikation von vielen Bürgern geschätzte Landrat wollte direkt die Gelegenheit nutzen, um den Gautinger Gemeinderäten in öffentlicher Sitzung Rede und Antwort zu stehen.

Das kommunale Finanzgeflecht – nicht leicht zu verstehen

Landrat Frey hat in einem sicher recht – der normale Bürger interessiert sich nur begrenzt für die Feinheiten der Finanzierung der einzelnen Ebenen der staatlichen Verwaltung, er erwartet einfach, dass die Dinge funktionieren und Einrichtungen und kommunale Aufgaben wie Schulen, Kindergärten, Winterdienst, Instandhaltung von Straßen und Gehwegen usw. ausreichend in gutem Zustand vorgehalten werden. Und idealerweise sollte auch noch mit Kulturhäusern, Schwimmbädern, Gemeindebibliotheken ein gutes und preiswertes Angebot das Leben bereichern. Das kann man ja auch gut verstehen .Hinweise auf fehlende finanzielle Mittel und begrenzte Möglichkeiten stoßen auf Unverständnis im „reichen Landkreis Starnberg“, zumal die Bundesregierung ja auch immer wieder neu zeigt, dass im Zweifel Milliarden locker gemacht werden können, wenn man das für nötig hält.

So wurde der Landrat schnell grundsätzlich und es entstand eine spannende Debatte. Frey verwies darauf, dass der kommunalen Ebene ständig neue Aufgaben übertragen würden, die aufgrund besonders komplizierter Detailregelungen jeder Sonntagsrede vom „Bürokratieabbau“ Hohn sprechen und den Mitarbeitern im Landratsamt und den Rathäusern weitere zusätzliche Arbeit aufbürden. Und zusätzlich auch noch finanzielle Lasten ohne für eine entsprechende Finanzierung zu sorgen. Als aktuelles Beispiel nannte er die Unterbringung der ukrainischen Flüchtlinge in 2022, als die Bundesregierung ohne vernünftigen Grund die Unterstützung vom Asylbewerberleistungsgesetz auf die Hartz 4 Regelungen umgestellt habe. „Das bringt den Menschen wenig, bedeutet aber viel Bürokratie und vor allem finanzielle Belastungen der Landkreise ohne einen Ausgleich“.

Frey versicherte vor diesem Hintergrund, dass der Landkreis jede Ausgabe kritisch geprüft habe und es sich wahrlich nicht leicht gemacht habe. Der Anstieg der Kreisumlage für 2023 habe so auf „nur“ 53,5 % begrenzt werden können. Was bedeutet dies nun für Gauting und warum macht es die Gautinger Gemeinderäte so besorgt?

Kurzer Exkurs für den Laien: Wie funktioniert  im Kern die kommunale Finanzierung?  Der Landkreis hat keine „eigenen Einnahmen“. Er finanziert sich durch die Gemeinden – 53,5 % Kreisumlage bedeutet, dass die Gemeinden mehr als die Hälfte ihrer Einnahmen gleich an den Landkreis weiterreichen müssen, die natürlich dann für die Erfüllung von Gemeindeaufgaben fehlen. Wenn große Investitionen anstehen – wie aktuell im Landkreis mit dem Bau des Gymnasiums in Herrsching oder eines neuen Krankenhauses im westlichen Landkreis – dann kann man das natürlich auch durch Kredite finanzieren. „Kredite sind ja nicht per se etwas schlechtes, wenn sie für zukunftssichernde Investitionen verwendet werden“ argumentiert Landrat Frey. Ja, wenn das so einfach wäre! Wenn man das Gebaren der Bundesregierung anschaut, die im Zweifel Hunderte von Milliarden neuer Schulden aufnimmt und diese dann wahrheitswidrig „SonderVERMÖGEN“ nennt, könnte man als normaler Bürger natürlich denken, dass dann auch die kommunale Ebene einfach einige Millionen Kredit aufnehmen sollte, wenn man sinnvolle Investitionen tätigen möchte.

Doch was der Bund kann, ist Kreisen und Gemeinden strikt verboten. Sie dürfen Kredite nur aufnehmen, wenn sie nachweisen können, dass sie den Schuldendienst für Zins und Tilgung aus eigenen Einnahmen nachhaltig bedienen können. Im Zweifel einfach die Schuldenlast zu erhöhen durch neue Kredite um die alten zu bedienen – ein solcher Haushalt würde sofort von der Rechtsaufsicht beanstandet und verboten werden.

Der Landkreis will nun für seine Investitionsvorhaben 2023 bis zu 80 Mio. € neue Schulden aufnehmen. Ja, und wie macht er das ? Klar, er erhöht in den nächsten Jahren die Kreisumlage weiter, andere Einnahmen hat er ja nicht. In der mittelfristigen Planung bis 2026 soll diese daher auch bis 58 % ansteigen. Vereinfacht gesagt bezahlen die Gemeinden die Kredite des Landkreises und müssen  Vorhaben, die für ihre Gemeinde wichtig sind verschieben oder ganz drauf verzichten. Oder es gelingt ihnen ihre eigenen Einnahmen zu steigern. Denn die Gemeinden profitieren von ihrer Beteiligung an Einkommens-, Gewerbe- oder Grundsteuer. Doch welche Steine einer Gemeinde  in den Weg gelegt werden, wenn sie ihre Gewerbesteuereinnahmen durch den Ausweis von Gewerbeflächen steigern möchte, können wir in Gauting seit Jahren unmittelbar verfolgen. Ein Teufelskreis.

So gingen Landrat und Gautinger Gemeinderäte wieder auseinander – man versteht die Sichtweisen und Sorgen des anderen durchaus, aber daraus ergibt sich noch keine Lösung.

Und wie steht es um den Gautinger Haushalt?

Der Gemeinderat soll den Haushalt in seiner Sitzung Mitte Februar verabschieden. Am Donnerstag hat der Finanzausschuss in seiner öffentlichen Sitzung zunächst den Verwaltungshaushalt für 2023 beraten. Gemeindekämmerer Stefan Hagl konnte aufgrund höher als erwarteter Steuereinnahmen für 2022 und aufgrund von Haushaltsresten aus dem letzten Jahr für etwas Erleichterung sorgen. Im Verwaltungshaushalt 2023, in dem die laufenden Einnahmen und Ausgaben gegenübergestellt werden, kann ein mittlerer sechsstelliger Betrag erwirtschaftet werden für Investitionen. Immerhin. Aber ab 2024 sieht es düster aus – hier stehen im aktuellen Entwurf jedes Jahr über 3 Mio € Defizit. Dabei haben sich die Gemeinderäte mit dem eigentlich schwierigen Teil noch gar nicht befassen können – den Investitionen, die im Vermögenshaushalt abgebildet werden. Dringend nötige Investitionen stehen an, dabei geht es überhaupt nicht um „goldene Wasserhähne“ oder neue Projekte, sondern um die Erhaltung der Substanz der Gemeinde, undichte Dächer von Turnhallen, eine energetische Sanierung des 50 Jahre alten Rathauses, Erneuerung von Kindergärten (zB. Ersatz der Containeranlage an der Postwiese) oder der Neubau des Feuerwehrhauses an der Münchner Straße nach Auszug der Polizei. Eine Kreditaufnahme von 58 Mio € bis 2026 steht in der aktuellen Vorlage nach Auflösung aller Rücklagen. Dabei wird Gauting überhaupt keine Kreditaufnahme genehmigt solange der Verwaltungshaushalt mit Defizit abschneidet und nicht in der Lage ist die Mittel für die Bedienung der Kredite zu finanzieren. Es wird noch viel Frust geben – sinnvolle Projekte streichen, schieben und am Ende auch freiwillige Aufgaben für die „schönen Dinge“ des Lebens, wie Freibad, Bosco, Bibliothek, Jugendzentrum usw. in Frage stellen. Einen „Herbst des Missvergnügens“ hatten wir im Oktober besorgt prognostiziert, leider ist er eingetreten in diesen trüben Wintertagen.

P.S.: Und wie ist das nun mit dem „reichen Landkreis Starnberg“ ? Der Landrat hat es auf den Punkt gebracht: „Unseren Bürgern geht es im Vergleich zum Rest des Landes wirtschaftlich sehr gut. Aber leider gilt das nicht für den Landkreis und die Kommunen“. Der Grund ist einfach – die vielen gut verdienenden Bürger des Landkreis mit hoher Einkommensteuerzahlung nützen ihren Wohnorten nichts. Denn alle Einkommen über 35.000 €/Einwohner zu versteuernden Einkommen werden „abgeschnitten“ und gehen in die Berechnung des gemeindlichen Anteils an der Einkommenssteuer nicht ein.

Geothermie statt Gas oder Öl – ein wichtiger Beitrag für Klimaneutralität in Gauting!

Mit der Frage „Geothermie statt Gas – eine gute Option für die Gautinger?“ leitete Dr. Andreas Albath, 1. Vorsitzender von ZukunftGAUTING die Informationsveranstaltung im Bosco am Mittwoch ein. Die Referenten Dr. Bernd Schulte-Middelich von der Silenos Energy, Dr. Fabian Kühnel-Widmann von der Gemeinde Gauting und Dominik Reingruber von der KWA Contrating AG waren sich am Mittwoch einig, dass hier ein klares  „JA“ die richtige Antwort ist.

Dr. Andreas Albath, 1.Vorsitzender von ZukunftGAUTING begrüßt die über 80 Teilnehmer der Informationsveranstaltung

Bernd Schulte-Middelich erläuterte, dass die Vorbereitungen für die Bohrungen am vorgesehenen Bohrfeld in der Nähe des Flughafens Oberpfaffenhofen weit gediehen sind. Aus knapp 3000m Tiefe soll über 100 Grad warmes Wasser gefördert werden, dass dann über einen Wärmetauscher die Wärmeversorgung von Betrieben, öffentlichen Einrichtungen und privaten Haushalten der Gemeinden Gauting, Gilching und Wessling zukünftig CO2-frei, zuverlässig und zu attraktiven wirtschaftlichen Konditionen gewährleisten soll. Zur Heizperiode 2025/26 will Silenos Energy (Hauptgesellschafter Strabag und ASTO-Gruppe) lieferfähig sein. Mit 18 MW thermischer Leistung und einer Einsparung von 22.000 t CO2 im Jahr könne ein bedeutender Beitrag zur Erreichung der Energiewendeziele im Landkreis Starnberg geleistet werden. Auf Fragen in der mit über 80 Teilnehmern gut besuchten Informationsveranstaltung von ZukunftGAUTING im Bosco räumte er aber ein, dass natürlich dafür alles planmäßig laufen müssen und er die Skepsis mancher Besucher im Hinblick auf Verzögerungen verstehen könne.

Standrohr

Werden alle Gautinger Ortsteile angeschlossen? Und wann?

Viele Besucher wünschten sich konkretere Aussagen, wann sie denn mit einer Möglichkeit zum Anschluss rechnen könnten, insbesondere wenn sie sich relativ bald im Hinblick auf einen Ersatz für ihre heutige Gas- oder Ölheizung entscheiden müssen. Hier warben Fabian Kühnel-Widmann und Dominik Reingruber um Verständnis, dass zum aktuellen Zeitpunkt noch keine belastbare Aussage gemacht werden könne. Kühnel-Widmann erläuterte, dass die Silenos Energy bis zum Übergabepunkt – hierfür soll eine Fläche im geplanten Gewerbegebiet „Gautinger Feld“ in Nachbarschaft zum Asklepios-Areal vorgesehen werden- verantwortlich ist. Gemeinsam mit der KWA Contracting  AG (Tochtergesellschaft der Stadtwerke Schwäbisch-Hall), die für Planung, Bau und Betrieb zuständig sein wird, will die Gemeinde von da aus das Verteilnetz realisieren.

Prinzip-Skizze

Erste Nutzer werden die Betriebe am neuen Handwerkerhof und die Wohnungen im Neubaugebiet „Am Patchway Anger“ (ehem. AOA) sein. Aber die Gemeinde will natürlich alle ihre Liegenschaften, zB. das Rathaus oder die Schulen am Schulcampus, mit Geothermie versorgen. Deshalb wird in einem ersten Ausbauschritt der westliche Teil von Gauting die Möglichkeit haben sich an das Versorgungsnetz anzuschließen und weitere Ortsteile dann Schritt für Schritt. „Reicht denn die Wärme überhaupt, wenn zwischen Bohrung und Abnehmer eine größere Entfernung liegt, zB. In Richtung Osten von Gauting oder bis nach Buchendorf?“ Hier konnten die Referenten beruhigen. Eine Temperatur von 70 Grad bei Übergabe an die Abnehmer, die auch für ältere Häuser mit Heizkörpern völlig ausreichend sei, werde überall erreicht. Schulte-Middelich wies im Übrigen daraufhin, dass Silenos  Energy auch die Rechte für eine zweite Bohrung auf Gautinger Gebiet habe. Abhängig von der Nachfrage und Interesse könne diese dann in einem zweiten Schritt aktiviert werden.

Fazit: wer in den nächsten 12-24 Monaten eine neue Heizung braucht, wird sich eine Zwischenlösung überlegen müssen. Aber alle, die ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts eine neue Lösung realisieren möchten, werden mit der Geothermie eine neue Option erhalten. 

Die Kostenfrage 

Viele Teilnehmer interessierten sich natürlich auch für die Frage, wie hoch die Kosten bei einem Anschluss an das Geothermie-Netz ausfallen würden, ob einmalige Anschlusskosten entstehen würden und wie hoch die laufenden Kosten sein würden. Letztlich sei das ja für viele Bürger auch eine wirtschaftliche Entscheidung. Hier hätten sich die Besucher konkretere Aussagen gewünscht, die aber derzeit offenbar noch nicht verlässlich möglich sind. Aber Dominik Reingruber sagte, dass KWA  natürlich großes Interesse habe, möglichst viele Abnehmer anzuschließen und deshalb genau wisse, dass sich das für die Bürger auch wirtschaftlich rechnen müsse . Bernd Schulte-Middelich versuchte ergänzend eine klare Orientierung zu geben. „Der Vorteil der Geothermie ist, dass das heiße Wasser unbegrenzt und kostenlos zur Verfügung steht, wenn erst die Bohrung erfolgt ist. Sie erhalten eine klimafreundliche und verlässliche Versorgung mit einer stabilen Kostensituation, die Basis für eine dauerhaft nachvollziehbare Preisentwicklung sein wird und Preissprünge wie derzeit bei Gas oder Strom unmöglich macht. Wenn sie heute ihre alte Heizung austauschen, entstehen ihnen Kosten für eine Wärmepumpe oder andere Heizsysteme, die dann entfallen.“ Er war überzeugt, dass die Versorgung über Geothermie nicht nur klimafreundliche, sondern auch wirtschaftlich attraktiv sein wird.

In der Debatte wurde darauf verwiesen, dass in Gilching bereits die ersten Kunden sich an das Netz anschließen konnten. Hier sind die Kosten aktuell 8,7 ct/kWh, auf 10 Jahre fix (mit einer Preisgleitklausel). Wir konnten das nicht näher nachprüfen, das erscheint aber durchaus attraktiv. Siehe hier

Fazit: wenn möglichst viele Bürger und Betriebe sich an die Fernwärme anschließen sollen, braucht es klare Aussagen zu Einmalkosten und später laufendem Aufwand. Je früher hier eine klare Orientierung gegeben wird, umso eher entsteht Vertrauen und die Bürger können sich konkret darauf einstellen. 

Der ökologische „Business-Case“ 

„Bei einer Wärmepumpe ist das Ertrag/Aufwand-Verhältnis Verhältnis 4:1, wie sieht es denn bei der Geothermie aus ?“Wieviel Strom zur Förderung der Geothermie erforderlich sei, woher der komme und wie denn eigentlich die ökologische Bilanz der Geothermie ausfalle, wurde aus dem Publikum gefragt. Bernd Schulte-Middelich nahm dieses Anliegen offensichtlich gerne auf und verwies darauf, dass bei den konkreten geologischen Verhältnissen in unserer Region der natürliche Wasserdruck so hoch sei, dass das Wasser nach der Bohrung von selbst hochdrücke und lediglich für die letzten 100 m gepumpt werden müsse. Hierfür sei natürlich  Strom erforderlich, der auch über eine PV-Anlage erzeugt werden könne. „Das Ertrags-/Aufwand-Verhältnis liegt bei 18:1, die Ökobilanz der Geothermie ist hervorragend!“ war sein Fazit.

Dr.Bernd Schulte-Middelich, Dr. Fabian Kühnel-Widmann und Dominik Reingruber informieren gemeinsam

Wie geht es weiter?

Der Gautinger Standortförderer Fabian Kühnel-Widmann war beeindruckt von dem großen und regen Interesse der Bürger. „Wir werden das mitnehmen und wissen, dass wir über unsere Webseite aber auch über informations-Veranstaltungen hier noch viel machen müssen. Das haben wir uns fest vorgenommen“. Aber schon jetzt besteht die Möglichkeit für die Gautinger Betriebe und Bürger ihr Interesse zu bekunden . Einfach eine Mail an post.geothermie@gauting.de senden, dann wird man in das Interessentenverzeichnis aufgenommen und erhält weitere Informationen, sobald diese vorliegen.

Wer mehr wissen möchte – die Präsentationen vom 14.12.22 finden Sie unten zum Download:

Weitere  Infos unter:

Einladung am 14.12.2022 um 19 Uhr: Geothermie statt Gas – Eine gute Alternative für die Gautinger?

Uns alle beschäftigt die Frage einer sicheren, bezahlbaren und klimagerechten Energieversorgung wie nie zuvor. Auch in Gauting sind Gasheizungen heute weit verbreitet, aber kann Geothermie diese ersetzen und was sind die Bedingungen dafür?

Für Gautinger Bürger können sich aus den nun konkreter werdenden Planungen für die Geothermie-Erschließung in Unterbrunn in der Nähe des Flughafenareals schon bald interessante Perspektiven entstehen.

Der Handwerkerhof am Penny-Kreise und das zukünftige Wohngebiet am Patchway Anger auf dem ehem. AOA-Areal sollen als erste mit Geothermie beheizt werden. Aber die Pläne sollen weiter gehen und es soll möglichst vielen Gautinger Haushalten die Option gegeben werden sich an die moderne und klimafreundliche Fernwärme anzuschließen.

Wir laden Sie herzlich ein zur Information und Diskussion mit

  • Dr.Bernd Schulte-Middelich, Silenos Energy Geothermie Gauting Interkommunal GmbH & Co.
  • Dr.Fabian Kühnel-Widmann, Standortförderung Gemeinde Gauting

Mittwoch, 14.12.2022, 19 Uhr
im Bosco Bar Rosso

Flyer Diskussion Geothermie statt Gas

Gauting im Herbst – eine Zeit des Missvergnügens?

Um die „großen“ Themen der Ortsentwicklung von Gauting ist es in den letzten Monaten ruhig geblieben und wenig Neues erreichte die Öffentlichkeit. Dafür umso mehr die Nachrichten und Sorgen um die multiplen Krisen, zuletzt vor allem der Überfall Russlands auf die Ukraine und die daraus entstehenden Folgen auch für uns hier vor Ort mit Flüchtlingen, die unseren Schutz suchen. Dazu Unsicherheiten durch Risiken für die Versorgung mit Gast und Strom in diesem Winter. Und eine galoppierende Inflation und Personalengpässe an allen Stellen, die auch praktische Auswirkungen für uns Bürger haben.

Gauting vor einem Winter des Missvergnügens? Wir wollen  die Themen sortieren und Ihnen einen Überblick zu geben. Vieles muss uns zu Recht Sorgen machen, aber es gibt auch gute Nachrichten.

Flüchtlingssituation

Landrat Stefan Frey, ein Glücksfall für uns Bürger im Landkreis, befindet sich seit seinem Amtsantritt im Mai 2020 im permanenten Krisenmodus. Durch seine offene Art und einer vorbildlichen Kommunikation gegenüber den Bürgern hat er viel Anerkennung gewonnen, zumal er auch eine starke Stimme gegenüber der Staatsregierung und Richtung Bundespolitik ist. Unvergessen, wie er im April 2021 mit der Beschaffung von 10.000 Impfdosen damals den „Impfstau“ im Landkreis auflöste. Umso mehr fällt auf, wie klar er die erneut unhaltbare Lage in der Flüchtlingssituation im Landkreis benennt. Knapp 5000 Flüchtlinge leben aktuell im Landkreis, ca. 2000 sind 2022 aus der Ukraine gekommen (zum großen Teil privat untergebracht), dazu über 2.800 Asylbewerber, von denen die Afghanen die mit Abstand größte Gruppe bilden. 40 % leben in Gemeinschaftsunterkünften, auch weil sie als anerkannte Asylbewerber auf dem freien Wohnungsmarkt in unserer Region keinen Wohnraum finden. Landrat Frey schlägt Alarm, weil der Landkreis überproportional Flüchtlinge zugewiesen bekommt und verlangt zu Recht, dass der Landkreis eine Atempause braucht. Dies zu „managen“ fordert das Landratsamt enorm und es kostet auch viel Geld, weil Land und Bund nicht alle mit der Betreuung verbundenen Kosten übernehmen. Jetzt sollen in Gauting ab 18.10. wieder zunächst 50 Asylbewerber im ehem. AOA-Gebäude an der Ammerseestraße unterkommen….

Bezahlbarer Wohnraum für Gauting

Beim Stichwort „AOA-Gelände“ denkt man natürlich sofort, dass auf dem Areal des sog. „Patchway Angers“ ja für etwa 700 Menschen bezahlbarer Wohnraum entstehen soll und eigentlich das alte AOA-Gebäude längst modernen Wohnungen gewichen sein sollte. Nach vielen Jahren der Diskussion soll nun in Bälde der Bebauungsplanentwurf dem Gautinger Bauzuschuss vorgelegt werden und dann mit der Anhörung der zu beteiligenden „Träger öffentlicher Belange“ und der Öffentlichkeit das Verfahren hoffentlich bald zum Abschluss gekommen sein. Zu hoffen bleibt, dass angesichts der galoppierenden Baukosten und steigenden Bauzinsen die Grundstückseigentümer noch in der Lage sein werden die Bauvorhaben zu realisieren. Zum Glück haben wir mit dem kommunalen „Verband Wohnen“ und dem Katholischen Siedlungswerk hier seriöse Partner insbesondere für die Wohnungen im Bereich „bezahlbares Wohnen“, aber günstiger werden die Mieten sicher nicht durch immer weitere Verzögerungen….

Dabei ist dies ein entscheidender Schlüssel für die Lösung vieler Probleme. Viele Eltern in den umliegenden Ortsteilen beklagen zu Recht die notorische Unzuverlässigkeit des Schulbusverkehrs – Hauptursache: Personalausfälle und insgesamt zu wenig Busfahrer. Eltern, die für ihre Kinder einen Betreuungsplatz suchen verstehen nicht, warum z.B. die Kinderkrippe im neuen Waldorf Kindergarten an der Tassilostraße nicht eröffnet wird – auch hier ist fehlendes Personal der Grund. Es ist zentral wichtig für den Erhalt eines lebenswerten Gautings, dass wir für Menschen mit „kleinem Einkommen“ bezahlbare Wohnungen schaffen, damit wir sie am Ort halten oder für uns gewinnen können. Es bleibt zu hoffen, dass dem Projekt „Patchway-Anger“ nicht weiter zeitverzögernde Knüppel in den Weg geworfen werden!

Gautings Finanzen und der Ausblick in die Zukunft

Für 2022 hat Gauting noch einen halbwegs funktionierenden Haushalt aufstellen können, aber jeder politisch Verantwortliche weiß natürlich, dass hier eine Zeitbombe tickt,

Jetzt kommen sich bereits in 2022 abschwächende Gewerbesteuereinnahmen (-1 Mio. € Erwartung gegenüber Haushaltsansatz) hinzu, 2023 erhebliche Mehrbedarfe für den Landkreis (der sich im wesentlichen aus der Kreisumlage finanziert, die die Gemeinden bezahlen müssen), inflationsbedingte Kostensteigerungen bei Personal und allen anderen Sachkosten und natürlich auch der exponentielle Anstieg der Energiekosten für die Liegenschaften der Gemeinde. Und dazu schiebt Gauting seit Jahren einen großen Investitionsstau vor sich her. Das betrifft vorrangig Pflichtaufgaben der Gemeinde, zB. für die Feuerwehr. Der in Kürze auch der Öffentlichkeit vorliegende Feuerwehrbedarfsplan wird das nüchtern darstellen. Wir können froh sein, dass wir in Gauting fünf engagierte freiwillige Feuerwehren haben mit einer großen Zahl an Ehrenamtlichen. Aber an einer guten Sachausstattung zu sparen wäre ein Verhalten wie ein Hauseigentümer, der seine Gebäudeversicherung reduziert….

Die anstehenden Haushaltsberatungen werden von Verwaltung und Gemeinderat schwierige Entscheidungen verlangen, die ganz sicher in der Bürgerschaft nicht populär sein werden.

Immerhin gibt es auch gute Nachrichten! Die Krapfbergvilla konnte an ein Münchner Brüderpaar für 1,85 Mio. € veräußert werden, die das Gebäude erhalten und restaurieren werden. Schön für das Ortsbild und ein willkommener Erlös für den Gautinger Haushalt.

Gauting Baustelle Gewerbe Ammerseestraße
Baustelle Handwerkerhof

Die neuen Gewerbegebiete – Schlüssel für eine langfristig gute Zukunft

Am Handwerkerhof  (siehe Foto) entstehen die Gebäude – eine gute Perspektive für die ortsansässigen Betriebe, die hierhin umziehen werden. Aber verdächtig still ist es um die beiden weiteren Gebiete Gautinger Feld und Galileo Park am Flughafen geworden. Gut ist einerseits, dass der Konflikt insbesondere mit Gilching wegen des Eco-Parks am Unterbrunner Feld durch die Verlagerung Richtung Flughafen gelöst wurde. Aber die Mühlen mahlen unendlich langsam trotz des unermüdlichen Einsatzes der Bürgermeisterin  und des Rathauses. Beim Galileo Park muss zunächst mit den Grundstückseigentümern (insbesondere der Bewo als Flughafenbetreiber) eine klare Verständigung gefunden werden, damit Gauting seine Ziele nach hochwertigen, gewerbesteuerstarken Betrieben dort umsetzen kann, weitere Fragen, zB. hinsichtlich des Wasserschutzes müssen auch noch geklärt werden. Und am Gautinger Feld ist die Abstimmung mit der „Höheren Landesplanungsbehörde“ bei der Regierung von Oberbayern offenbar ein zähes Unterfangen. Hier sieht man, woran es in Deutschland an allen Ecken und Enden klemmt. Wir sind inzwischen so überreguliert und mit verteilten Zuständigkeiten so kompliziert und langsam geworden, dass Vorhaben unendlich lange dauern. Dies kann auf Gemeindeebene nicht gelöst werden. Der beharrliche Einsatz der Verantwortlichen ist vielmehr anzuerkennen. Die dringend notwendige nachhaltige Steigerung des Gewerbesteuerniveaus von Gauting wird erst in langer Frist zu erreichen sein….

Ortsentwicklung

Auch hier tut sich einiges, vor allem auch aufgrund des Engagements privater Eigentümer. So könnte eine Öffnung der Würm im Ortskern von Stockdorf in den nächsten Jahren erfolgen . Und der Eigentümer des „Post-Grundstücks“ an der Pippinunterführung will nicht nur dort neu bauen sondern bietet der Gemeinde auch an, den Bahnhof auf Erbpachtbasis im Rahmen des erarbeiteten Konzeptes zu sanieren. Das könnte ein Glücksfall werden, denn aus eigenen Mitteln wir Gauting auf Jahre hinaus kaum in der Lage sein die nötigen Investitionen zu stemmen. Dann bliebe nur die Alternative, ab und an einen „Eimer Farbe“ an die Wände zu verteilen und sich im übrigen zu schämen wie Gauting den Besucher in Empfang nimmt.

Klimaschutz, Geothermie und Windkraft

Viele Initiativen sind in Gauting inzwischen auf dem Weg. Ein langfristiges Klimaschutzkonzept, das alle Initiativen bündelt und die zukünftigen Schritte definiert, wird mit der Unterstützung einer Energieagentur erarbeitet. Hier besteht großer Konsens im gesamten Gemeinderat mit großem Nachdruck an diesen Themen zu arbeiten.

Die gerade durch die Gaskrise besonders in die Aufmerksamkeit vieler Bürger rückende Frage nach alternativen Möglichkeiten zur Wärmeversorgung wird in Gauting eine neue Option als Antwort erhalten. Die Pläne für die Versorgung der Gemeinde mit Fernwärme aus Geothermie werden konkreter, der Patchway Anger soll dort angeschlossen werden und schrittweise ab 2028 soll das Netz auch die Gautinger Haushalte erreichen.

Der Landkreis hat bereits 2012 in einem Teilflächennutzungsplan Konzentrationsflächen für mögliche Windkraft-Standorte ausgewiesen (im Forst bei Buchendorf, westlich von Unterbrunn/Oberbrunn). Ob und wann dies umgesetzt wird, hängt von den konkreten Windertragsrechnungen der Standorte und den übrigen Voraussetzungen ab. Mit dem neuen „Wind an Land-Gesetz“ der Ampel-Regierung wird nun aber maximaler Druck aufgebaut. Wenn bis 2030 hier nichts Konkretes geschieht, kann ab dann in Außengebieten an allen Standorten auch ohne Bebauungsplanverfahren beliebige Windräder entstehen. Das wäre unglücklich. Es ist daher zu erwarten, dass in absehbarer Zeit konkrete Projekte auch unter der Möglichkeit einer finanziellen Beteiligung interessierter Bürger vorgestellt werden.

Fazit

In vielen kleinen Schritten arbeitet die Gemeinde an der Umsetzung der „großen Themen“ zur Weiterentwicklung von Gauting, um unseren Ort lebenswert und zukunftsfest zu erhalten. Die aktuellen Herausforderungen aus dem Tagesgeschäft bleiben mühsam, manche Herausforderungen (Flüchtlinge, Personalengpässe) kann auch das Rathaus nicht wegzaubern. Der noch enger werdende finanzielle Spielraum der Gemeinde wird vermutlich zu Verteilungskämpfen und unpopulären Diskussionen und Entscheidungen im Gemeinderat führen. Man kann nur hoffen, dass der seit 2020 weitgehend sachliche und konstruktive Stil der Diskussion in der Bürgerschaft und im Gemeinderat auch in diesen Zeiten beibehalten wird!

„Unser Würmufer“ in Stockdorf – wird die Würm für die Bürger zugänglich?

Beim Ortsfest in Stockdorf im Mai hatten viele Bürger das erste Mal die Gelegenheit das verwunschene, aber vor der Öffentlichkeit abgeriegelte Gebiet direkt an der Würm im Herzen von Stockdorf in Augenschein zu nehmen. Und sie bekamen die Gelegenheit sich spontan zu den Plänen der Eigentümergemeinschaft zu äußern das Areal östlich und westlich der Würm neu zu entwickeln und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Worum geht es?

Das Vorhaben der Eigentümer

Östlich der Würm entlang der Gautinger Straße bis kurz vor den Baierplatz zieht sich das eng bebaute Areal mit gemischter gewerblicher und Wohnnutzung hin. Ankermieter ist dort die Firma Stanz- Schmid, die aber schon seit längerem einen neuen Standort sucht, um sich entwickeln und über moderne Produktionsabläufe verfügen zu können. Gauting ist hoffentlich möglichst bald in der Lage, Firmen wie Stanz-Schmid Klarheit zu geben, ob sie auf den geplanten Gewerbegebiete am Gautinger Feld oder beim Flughafen Oberpfaffenhofen („Galileo-Park“) einen neuen Standort finden und als Gewerbesteuerzahler der Gemeinde erhalten bleiben.

Stanz Schmid
Die Firma Stanz-Schmid ist an ihrem historischen Standort eingeengt und kann sich nicht zukunftsfähig entwickeln

Die Eigentümer wollen zum Glück in ihre Grundstücke investieren und die Verlagerung von Stanz-Schmid nutzen, um auf diesem Areal mit einer modernen Neubebauung sowohl neue, dorthin gut passende Gewerbeflächen sowie bezahlbaren Wohnraum entsprechend der Mischgebietnutzung des Gebietes zu schaffen.

Sie sind aber auch zugleich Eigentümer der Grundstücke auf der westlichen Seite, die sich entlang der Würm bis zum Schulersteg hinziehen. Dieses Gebiet ist heute öffentlich nicht zugänglich und nicht bebaut. Hier wollen die Eigentümer eine moderate Wohnbebauung realisieren, die vorrangig ortsansässigen Bürgern angeboten werden soll und zugleich das gesamte Areal entlang der Würm für die öffentliche Nutzung freigeben.

Flächen Würmufer
Guter Überblick, um welche Flächen es sich beim Projekt „Unser Würmufer“ handelt

Auf dem 1,6 ha großen  Kern-Areal möchten die Eigentümer – nach enger Abstimmung mit und aufgrund der Vorgaben der Gemeinde – eine zurückgenommene Bebauung mit modernen Wohnungen in drei Häusern und zusammen 20 Wohneinheiten realisieren. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine festgefügten Vorstellungen. Der Eigentümergemeinschaft ist – wie im Gespräch mit ZukunftGauting deutlich wurde – bewusst, dass eine solche Bebauung Rücksicht nehmen muss auf die stadtplanerischen Vorstellungen der Gemeinde und besonders sensibel mit dem Naturraum umgehen muss. Hilfreich für die Pläne ist, dass das Areal aufgrund der Topographie nicht hochwassergefährdet ist und auch nicht als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen ist.

Geplanter Wohnraum
Auf diesem weitläufigen Areal soll Wohnraum entstehen

Besonders charmant ist die Idee, den heute nicht öffentlichen Steg über die Würm auf das Gelände von Stanz-Schmid zu ertüchtigen, so dass die Öffentlichkeit an dieser Stelle auch die Würm queren und von der einen auf die andere Seite wechseln kann. Bei der weiteren Ausgestaltung schwebt der Eigentümergemeinschaft vor, die Energieversorgung der neuen Häuser durch das auch zukünftig weiter betriebene Wasserkraftwerk auf dem Areal sicherzustellen und ein möglichst klimaschonendes Konzept zu realisieren.

Steg über die Würm
Hier soll ein neuer Steg entstehen, der die beiden Ufer für die Öffentlichkeit verbindet

Der Zuweg für Fußgänger und Radfahrer zu dem Gebiet lässt sich über einen Stichweg zum Harmsplatz recht gut realisieren, als Zufahrt für PKW erscheint dieser aber nicht besonders geeignet. Die Hauptzufahrt muss daher über die Zugspitzstraße/Bennosteg realisiert werden mit entsprechenden Wendemöglichkeiten auf dem Grundstück selbst.

Zuweg vom Harmsplatz
Fußgänger und Radfahrer könnten einen einfachen Zugang zum Harmsplatz erhalten

Bezüglich des deutlich schmaleren Grundstückstreifens entlang der Würm vom Bennosteg bis zum Schulersteg soll ein öffentlich zugänglicher (nicht asphaltierter) Weg für Fußgänger oder Radfahrer entlang der Würm entstehen, der einerseits den naturbelassenen Charakter erhält, andererseits aber auch Aufenthaltsqualität bietet mit Sitzbänken etc.

Die Eigentümergemeinschaft ist offen dafür auf entsprechen Wunsch hin dieses Gebiet der Gemeinde zu einem niedrigen Erbpachtzins zu überlassen.

Teilstück zwischen Bennosteg und Schulersteg
Fußgänger und Radfahrer könnten hinter der Grundschule bis zum Schulersteg die Würm genießen

Die Kritiker

Zunächst scheint das Vorhaben bei den Stockdorfer Bürgern auf große Sympathie zu stoßen. In 1.500 Bürgergesprächen im Rahmen des Ortsfestes ergab sich eine Zustimmungsquote von 85 %, das scheint eine gute Basis zu sein, wenn es konkreter wird.

Allerdings gibt es unmittelbare Anwohner aus der Zugspitzstraße, die dem Vorhaben sehr kritisch gegenüberstehen. Hier ist zu berücksichtigen, dass es etliche Grundstücke gibt, deren Grundstücksgrenze direkt an den schmalen Streifen zwischen Benno- und Schulersteg grenzen. Wie wir bei einer Begehung feststellen konnten, sind hier die Grundstücksabgrenzungen oft gar nicht mehr richtig zu erkennen, da Begrenzungszäune nicht (mehr) vorhanden sind und es den Eindruck erweckt als ob diese Grundstücke bis an die Würm heranreichen, was ja tatsächlich nicht der Fall ist. Die Anwohner sorgen sich, dass bei einer Öffnung junge Leute hier sich häufig treffen und sich die Gegend zur „Partymeile“ entwickeln könnten.

Im politischen Raum in der Gemeinde ist die Gautinger SPD wie so oft strikt ablehnend bei diesem Projekt der Ortsentwicklung wohl vor allem aus Gründen des Sozialneids mit Hinweis auf eine wertmäßige Verbesserung des Grundstücks bei einer Bebauung.

Wie geht es weiter?

Der Bauausschuss hat in seiner letzten Sitzung am 26.7. gegen die Stimme von GR Brucker (SPD) beschlossen, einen Architektenwettbewerb als Realisierungswettbewerb durchzuführen (ausgelobt von der Eigentümergemeinschaft in enger Abstimmung mit der Gemeinde), dessen Kosten die Eigentümergemeinschaft tragen wird. Dem wird die Analyse des „Planungsverbandes äußerer Wirtschaftsraum München“ zugrunde gelegt, der bei der Vorbereitung und Begleitung des Wettbewerbs einbezogen wird. Dabei sollen explizit die Ergebnisse der Bürgerbefragung einschließlich vorgebrachter Bedenken und Anregungen einbezogen werden.

Fazit

Viele Gautinger und Stockdorfer Bürger haben schon seit langem den Wunsch, dass die Würm für die Öffentlichkeit besser zugänglich und erlebbar wird, gerade auch im jeweiligen besiedelten Ortskern. Insofern ergibt sich hier eine große Chance für Stockdorf.

Selbstverständlich gibt es in den nächsten Schritten eine Reihe wichtiger Fragen zu klären, u.a.

  • Umweltverträglichkeit der Bebauung auf der Westseite, Schutz des natürlichen Umfeldes der Würm
  • Verkehrliche Anbindung des Areals, Abschätzung der zusätzlichen Verkehrsbelastung, Entwicklung eines Mobilitätskonzeptes (aufgrund der zentralen Lage und Nähe zur S-Bahn sollte ein starker Anteil Fußgänger-/Fahrradverkehr möglich sein)
  • Eine Übertragung des Areals zwischen Benno- und Schulersteg sollte die Gemeinde sehr kritisch hinterfragen – der Eigentümer sollte nicht die Verkehrssicherungspflichten und sonstigen Lasten an die Gemeinde abwälzen
  • Hoher Anteil von bezahlbaren Wohnungen im Gesamtvorhaben, Prüfung, ob Grundsätze der SoBon hier anzuwenden sind im Hinblick auf die Wertsteigerung des westlichen Grundstücks
  • Eine Beschränkung der Vermietung auf Bürger, die zuvor bereits in Stockdorf ansässig waren, halten wir für problematisch – es sollte keinen Unterschied machen, ob jemand aus Stockdorf oder einer Nachbargemeinde kommt

ZukunftGAUTING sieht das Vorhaben grundsätzlich positiv und wird es in den weiteren Schritten konstruktiv begleiten.

Es wird aber zugleich deutlich, wie problematisch es ist, dass die Gemeinde Gauting Gewerbetreibenden keine zumindest grobe terminliche Sicherheit zur Umsiedlung in die neuen Gewerbegebiete am Gauting Feld und in den Galileo-Park geben kann. Es wäre bitter, wenn Stanz-Schmid am Ende an einen anderen Standort außerhalb von Gauting wechseln würde und wir erneut ein mittelständisches Unternehmen, seine Arbeitsplätze und einen Gewerbesteuerzahler verlieren würden.

Ein Investor für Gautings Bahnhof stellt sich vor!

Es tut sich was am Bahnhof. Im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung des Bauausschusses haben sich gestern Abend die Eigentümer des Postareal an der Pippinunterführung vorgestellt, um ihre Überlegungen zu der Neubebauung des Grundstücks mit gemischter Nutzung (Gewerbe und Wohnungen) vorzustellen. Es handelt sich um ein bayerisches Familienunternehmen aus Freilassing, die Reichenberger-Gruppe . Der Unternehmer Josef Reichenberger und seine Tochter Eva-Maria Klapphauf, die bereits das Ärztehaus neben dem Kino errichtet haben, wollen in Gauting diese Immobilien entwickeln und langfristig im eigenen Bestand halten.

Dabei beschränken sich ihre Pläne nicht auf das Postareal. Das Familienunternehmen würde gerne auch das alte Gautinger Bahnhofsgebäude mit einem modernen Anbau sanieren und entwickeln. Und zwar auf der Basis des viel gelobten Siegerentwurfes von Prof. Beer aus dem dem städtebaulichen Wettbewerbs aus dem Jahr 2019. Dieses sah die Erhaltung des Kopfbaus vor, ergänzt um einen modernen Anbau. Hier wollen die Reichenbergers die öffentlichen Bereiche (Warteraum, WCs) und einen Kiosk für Reisebedarf und ein Tagescafé mit Terrasse in Ergänzung zum Tati beim Kino realisieren, für die sie bereits Mietinteressenten hätten. Sie sind auch bereit dieses Projekt auf Erbpachtbasis zu realisieren, bei dem das Eigentum an dem Grundstück bei der Gemeinde verbleibt. Die 1. Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger hatte bereits in der Vergangenheit ausgeschlossen, dass die Gemeinde dieses zentrale Grundstück veräußern würde.

Aus der nicht-öffentlichen Beratung des Bauausschusses darf selbstverständlich auch an dieser Stelle nicht berichtet werden. Aber auf explizite Nachfrage der Bürgermeisterin erklärten die Interessenten, dass sie keine Einwände gegen die öffentliche Nennung ihrer Überlegungen und Vorschläge haben.

Josef Reichenberger unterstrich im Anschluss an die Bauauschusssitzung gegenüber ZukunftGauting sein ernsthaftes Interesse sich in unserer Gemeinde langfristig engagieren zu wollen und hofft darauf, dass sich die Pläne zügig realisieren lassen. Er würde sehr gerne die beiden Vorhaben parallel umsetzen, um gerade in der aktuellen Zeit mit großen Herausforderungen bei der Verfügbarkeit von Handwerkern optimal Synergien zwischen den beiden Bauvorhaben ausnutzen zu können.

Fazit: natürlich ist es zu früh diese Pläne jetzt schon endgültig beurteilen zu können. Eine Reihe von Details sind zu klären und selbstverständlich müssen Bebauungspläne und andere formelle Verfahrensschritte auf den Weg gebracht werden.

Aber unsere Grundhaltung ist klar: Verwaltung und Gemeinderat sollten sich zügig mit diesen Ideen auseinandersetzen und sie konstruktiv prüfen. Eine Sanierung des Bahnhofs, der heute in seinem Erscheinungsbild als Begrüßung für Reisende ein Schandfleck  ist, aus eigener finanzieller Kraft ist vollkommen ausgeschlossen. Die Gemeinde muß einen Investitionsstau bewältigen, der sie bereits bei Pflichtaufgaben für Feuerwehr, Kindergärten und Erhaltung der Infrastruktur überfordert. Geld für viele wünschenswerte Projekte ist auf absehbare Zeit -noch- nicht wieder vorhanden. Dafür dauert es einfach viel zu lange, bis die Gewerbegebiete zur Steigerung der Steuereinnahmen von Gauting, realisiert sein werden.

Jedes Vorhaben in unserem Land dauert unendlich lange und die immer komplexeren Regelwerke und Bürokratie ersticken unendlich viel – dies ist keine Kritik an unserer Gemeindeverwaltung, die sich ja als unterste staatliche Ebene an die Spielregeln halten muss.

Aber wenn man jetzt die Chance hat mit einem langfristig orientierten Familienunternehmen Gauting nach vorne zu bringen, sollten wir nach Wegen suchen, diese Initiativen nicht im Sande verlaufen zu lassen.

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